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Geschichte

Nachdem zu Beginn des 19. Jahrhunderts im Zuge der grösser werdenden Studienfreiheiten die ersten studentischen Diskussionszirkeln an den Schweizer Universitäten entstanden waren, wurde im Jahre 1819 die Zofingia, die erste überkantonale Verbindung mit demokratisch-liberaler Gesinnung gegründet. In der Folge fanden in der Schweiz zahlreiche Gründungen von Studentenverbindungen statt, teils aus politisch-weltanschaulicher Motivation, teils - vor allem später ab 1860 - aus fachwissenschaftlich-beruflichen Interessen.


1847 wurde in Basel die Verbindung Schwizerhüsli gegründet - eine demokratisch-liberale Verbindung mit einer christlichen Grundhaltung.


1883 entstand in Bern ein studentischer Diskussionszirkel mit späteren Mitgliedern der Zähringia. Es wurde unter anderem auch über die Gründung einer Verbindung gesprochen, die Pläne wurden allerdings wieder verworfen und die Gründung noch herausgeschoben.


Im August 1888 hielten Schwizerhüsli-Philister eine Zusammenkunft ab, an welcher die Gründung eines Schwizerhüsli-Ablegers in Bern diskutiert wurde - schliesslich befanden sich unter den damaligen Schwizerhüslern auch Berner, die in Basel studierten.

Im gleichen Jahr kehrten zwei solcher Berner Schwizerhüsler, Robert Friedli (Pax) und Walter Strasser (Cato) in ihre Heimatstadt zurück. Zuhause angekommen nehmen sie Kontakt auf zu Studienkollegen aus Berner Zeiten und begründen am 3. November 1888 einen studentischen Zirkel, da sie keiner der bestehenden Verbindungen beitreten wollten, nicht zuletzt auch wegen ihrer Abneigung gegenüber Trinkzwang und Duell. Die Zusammenkünfte fanden wöchentlich am Samstagabend auf ihren Buden statt. Zu Beginn hielt jeweils ein Mitglied einen wissenschaftlichen Vortrag, der anschliessend in der Runde diskutiert wurde. Weitere Mitglieder des Zirkels in diesem Wintersemester 1888/1889 waren Wilhelm Hadorn (Schnauz), Alfred von Lerber (Pipin), Paul Gruner (Solo) und Fritz de Quervain; sie gelten nebst Pax und Cato als Stifter der Zähringia.


Der Gedanke an die Gründung einer Studentenverbindung konkretisierte sich innerhalb des Zirkels rasch, nicht zuletzt auch wegen der ideellen und finanziellen Unterstützung von in Bern wohnhaften Philistern des Schwizerhüsli. So kam es auf Beginn des Sommersemesters zur Eröffnung der Zähringia. Am 31. März wurden der Name Zähringia und die Farben Blau-Weiss-Gold, am 11. Mai der Zirkel festgelegt.


Am 30. November 1889 erfolgte die Gründung der Alt-Zähringia.


Am 20. Juni 1893 beschloss die Zähringia ihre Farben in Rot-Gold-Blau zu ändern, vor allem deshalb, weil eine Burgdorfer Technikumsverbindung dieselben Farben trug; zudem wurde Bedenken laut, ob die bisherige Farbwahl heraldisch vertretbar sei.


Bis zum Kriegsausbruch 1914 wuchs die Anzahl der Zähringer stetig an. Durch den Krieg wurde das Verbindungsleben erheblich gestört und es kam zur ersten grösseren Krise der Zähringia. Mit Hilfe der Altherren konnte der Verbindungsbetrieb jedoch aufrechterhalten und die Krise - hervorgerufen durch den Krieg und die Grippewelle 1917 - überwunden werden. Nach dem Krieg traten diverse Spannungen zum CC auf - ein Zustand, der sich im Laufe der nachfolgenden Jahrzehnte, ja eigentlich bis zum heutigen Tage nicht wesentlich ändern sollte.


In den 20er-Jahren kam es wieder zu zahlreichen Krisen, insbesondere zeigten zahlreiche Mitglieder nurmehr ein geringes Interesse, zudem entbrannten heftige Diskussionen um Prinzip und Comment, der zwischenzeitlich sogar abgeschafft wurde. Auch die Streitereien mit dem CC hielten an - es ging dabei vor allem um den Trinkzwang und die Fackelzüge sowie um den Beitritt des CC in die Bürgerwehr und in den Vaterlandsverein, wogegen sich die Zähringia heftig wehrte.


Die 30er-Jahre waren schliesslich geprägt von internen Kämpfen und der Auseinandersetzung um die Frage der Frontbewegung und des Nationalsozialismus. Die Zähringia überstand schliesslich auch die Zeit des 2. Weltkriegs und es folgten sodann ruhigere Jahre.


Die 68er-Zeit veränderte die Studenten und somit auch die Verbindungen. Davon war auch die Zähringia betroffen. Dennoch stand eine Einstellung des Verbindungsbetriebs nicht zur Diskussion.


Es erfolgten im Jahre eine Neuformulierung des Prinzips, 1981 eine Totalrevision des Comments und 1985 und 1997 wurden jeweils die Statuten totalrevidiert.


Comment?

Natürlich erwies es sich als schwierig, für diesen Text einen Gegenstand zu bearbeiten, von dem ich als Fuxe ja keine Ahnung zu haben habe. So ist das fuxentypische Ignorieren möglichst vieler Commentbestimmungen ein immer gern gesehener Verdonnerungsgrund, wobei die Bestrafung mit professoral belehrender Miene dann sowohl Füxe (wegen den regelgeilen Rekommandanten) als auch Burschen (wegen den scheinbar einfältigen, dummen und gefrässigen Regelbrechern) belustigt. Seien wir froh, dass vorletztere immer noch nicht begriffen haben, welchem Fehlschluss sie erliegen; dass die Fuxen ihnen zumeist nämlich aus reinem Goodwill (ev. etwas Mitleid mit den annähernd Angegrauten?) erlauben, sich an ihrer Comment-Bewandertheit aufzurichten. Das commentsche Paradox besteht also darin, dass der Comment die Garantie eines fröhlich-geordneten Verbindungsbetriebes zum Ziel hat; ebendieses Verbindungsleben zuweilen jedoch ungeordnet um einiges fröhlicher ist – dies aber wiederum nur dank eines Regelwerks, das gebrochen werden kann. Alles klar?


Das „Wie“ couleurstudentischer Lebensweise
Nach dieser zugegebenermassen wenig sachgerechten Einleitung nun zu Handfesterem. Das kleine Lexikon des studentischen Brauchtums beschreibt den Comment als das „Wie“ studentischen und insbesondere korporationsstudentischen Verhaltens. Das muss gar nicht zwingend in schriftlicher Form festgehalten sein, sondern kann durchaus auch mündlich tradiert bestehen. In Mischformen wird dann alles nichtfestgehaltene der Beurteilung auf Basis des Brauchtums überantwortet. Die Dehnbarkeit solcher Bestimmungen kennen wir ja von Zähringia-Stämmen. Fast alle Ausgestaltungen heutiger Comments beruhen auf dem alten urschencomment von Jena (1791). Einige unbestimmtere Ansätze sind allerdings schon früher vorzufinden. So soll ein gewisser Friedrich Christian Laukhard 1777 einem Studenten erklärt haben:

„Je nun, Comment ist Comment, das ist so die rechte Art, das rechte Avec, wie der Bursche auf Universitäten leben soll.“

Schon früher (1616) sind Zechregelungen, also Ansätze zu Trinkcomments festzustellen. Der erste bekannte wird Blasius Multibibus (auch Nichtlateinern verständlich...) zugeschrieben. Seit etwa 1600 kannte man zudem den sogenannten Pennalismus. Eine Art Straferziehung für angehende oder untersemestrige Studenten durch die bereits Eingesessenen. Denen musste alles verlangte (unter schwersten Bussandrohungen) durch die Jungstudenten erfüllt werden. Als Gegenleistung wurden letztere von den Älteren ins Studentenleben „eingeführt.“ Das Pennaljahr, die Zeit also, welche man benötigte um vollberechtigter Student zu werden, dauerte 1 Jahr, 6 Monate und 6 Tage.


Das unschweizerische Burschen- und Fuxentum
Hier liegen also die Wurzeln des „unschweizerischen Burschen- und Fuxentums.“ (Dr. Sebastian Grüter). Aus dem deutschstudentischen Leben – von ihm zeigten sich viele Schweizer (Ausland-) Studierende fasziniert – drang es an die CH-Unis vor. (Nochmal Grüter: „Und der Schweizer war ja von jeher in der Nachahmung Germaniens stark! Nordlichter blendeten ihn oft!“).


Die Comment-Regelungen (couleur-) studentischen Zusammenlebens gründeten aber nicht nur in diesem Bereich (die unbedingte Unterordnung der Füxe unter die Burschen) auf altem Gesetz und Brauchtum. Über die Trinkerei der Studenten wird ja wohl geklagt, seit es Studenten überhaupt gibt. So ist kaum anzunehmen, dass Multibibus / Vielsauffs Regelkatalog 1616 aus reiner Theorie entstanden ist. Wilhelm Busch meint dazu in gewohnt tiefgründiger Manier:

„Die erste Pflicht der Musensöhne,
ist dass man sich ans Bier gewöhne.“

In früheren Formen stärker betont, finden sich auch in aktuellen Comments noch Bestimmungen bezüglich Sprachregelungen, Kleiderordnung, Regeln des Umgangs innerhalb der Aktivitas, etc. Verschwunden (zumindest in der Zähringia) sind zum Beispiel der Duellcomment, auch der Paukcomment (Regeln des Zweikampfs). Heute bedeutsam sind neben dem Couleurcomment (Regeln des äusseren Auftretens) und Trauerordnung vor allem Trink- oder Bier- und der Kneipcomment. Was Ersteren angeht, sollten wir ja informiert sein; ich hab nicht vor, damit zu langweilen. Anders als im Zähringer Comment ist der Bierzwang zumeist zentraler Bestandteil des Comments. Mit ein Grund, der die Zähringia-Gründer überhaupt dazu bewog, eine eigene Verbindung ohne Besäufnis-Obligatorium ins Leben zu rufen. Sie waren mit ihren Vorbehalten nicht allein. So wandte sich auch ein Gründungsmitglied des Schweizerischen Studentenvereins gegen Alkoholzwang und Biercomment überhaupt. In den Ursektionen war kein Comment! lautete sein Einwand, und:

„Pflege der Tugend, Freundschaft, und Wissenschaft stellten wir auf den Schild und nicht Pflicht commentmässigen Trinkens. Was sollen wir Mitglieder des Schweizerischen Studentenvereins uns brüsten und mit dem Vereinsliede flunkern: ,Den Riesenkampf mit dieser Zeit zu wagen’, wenn wir dem Gebrechen der Zeit, dem Hang zum Trinken, die Ehre erweisen, es unter Reglementierung in den Verein einzubürgern?“ (Karl Styger, 16. August 1878)


Schweizer Krise – Zähringer Krise
Während hier der Widerstand einem Teil des Regelwerks galt, regte sich in der Zähringia nach dem Ersten Weltkrieg fundamentalere Opposition. Die Schweizer Krisenstimmung liess die damaligen Zähringer nicht unberührt. Unendliche Diskussionen über Trinkexzesse, mangelnden Ernst beim Studium (...), Prinzipmissachtungen, Ausschlussdrohungen ebenso wie vollzogene Ausschlüsse und Couleurentzüge – kaum ein nde abzusehen. Beispiele gefällig?

„Ich konstatiere in der Verbindung ein blödes Sich-gehen-lassen, eine Armut an Geist und Witz, was sich besonders an den langweiligen Kneipen zeigt.“

„Die Zähringia ist am Versumpfen.“

„Die Verbindung hat in letzter Zeit sehr von ihrem Ansehen eingebüsst.“

Als Folge wurden heftige Diskussionen ums Prinzip geführt. Und eben auch über den Biercomment. Den Höhepunkt der Krise bildete der zweite ordentliche Convent vom 2. Mai 1929. Vier Zähringer präsentierten – scheinbar überraschend für den Rest der Verbindung – einen Reformplan. Sie drohten mit einem Kollektiv-Austritt, sollte man ihnen nicht entgegenkommen. Wirklich einschneidend waren zwei Punkte ihres Programms: Der Biertrinkcomment sei abzuschaffen, CC Trinkereien solle man fernbleiben; und: Die Verbindungsauslagen solle man kräftig reduzieren, für Konsumationen habe jeder einzeln aufzukommen. Die Abschaffung des Biertrinkcomments wurde mit 7:6 Stimmen angenommen (Zwei-Drittel-Mehr?). Entscheidend war jedoch eher die grundsätzliche Diskussion, welche durch die Reformvorschläge angeregt wurde und den Stammbetrieb für einige Zeit beruhigte. Die Reformen selbst hielten sich nicht lange. Ab 1931 wurde wieder auf gemeinsame Rechnung getrunken, dem Trinkcomment wurde in realiter wohl weiter nachgelebt, wir haben ihn ja bis heut. Otto Böcher (der Autor des erwähnten Lexikons studentischen Brauchtums) meint: „Souverän und korrekt gehandhabter Komment ist für ein gedeihliches Verbindungsleben unumgänglich notwendig.“ Dem ordnet sich auch der Zähringer-Comment unter, wenn er dem eigenen Anspruch nach nicht Selbstzweck sondern nur Garant geordneten Stammbetriebes sein will. Der ziemlich heterogenen Verbindungsstruktur entspricht in der Zähringia der freie Comment (jeder Stoff ist commentfähig); ausgeprägt tradierte Vorstellungen darüber, welcher Stoff nun wann genehm sei sowie die Strenge des Comments (nur zwei Quarten zutrunkfähig) begrenzen diese Offenheit des Comments wieder, so dass er zur Ordnung des Verbindungslebens trotzdem noch taugt. Ob er seinem Ordnungsanspruch schliesslich gerecht wird, hat wohl jeder selbst zu entscheiden.


Comment für alle
Allerdings nicht nur. Wie an aktuellen Stämmen vieldiskutiert gilt das Ausreizen des Regelwerks im Sinne einer Kenntnisdemonstration als durchaus akzeptables Kavaliersdelikt, diskussionsfördernd, für die Nichtwissenden lehrreich und alleweil eine lustige Sache. Steter Grundsatz muss aber sein (selbstredend auch in der Fuxenmonarchie): Wer Zähringer ist, folgt dem Comment nach bestem GeWissen (Amen) – denn davon, rgb-Couleuriker in möglichst hohem Masse zu verarschen, davon steht nichts im Comment der Zähringia Bernensis. Die Ordnungskraft des Comments hängt also plattitüdenhaft-logisch nicht nur von seiner Beschaffenheit ab, sondern ähnlich stark, wenn nicht gar stärker, von seiner Beachtung durch die Zähringer. Selbstverständlich soll all dies hier schwülstiglich dargebotene nicht heissen der Comment – ebenso wie Prinzip und Devise – sei indiskutabel und auf Ewigkeiten in der bestehenden Version beizubehalten. Wird eines grausigen Tages keines der Dreien mehr umstrittenes Diskussionsthema in der Verbindung sein, sollten für sie wohl Trauerkneipe und Totensalamander abgehalten werden.


Literatur und Quellen:
  • Comment der Zähringia Bernensis
  • Geschichte des Schweizerischen Studentenvereins
  • Kleines Lexikon des studentischen Brauchtums
  • Micro-Radar
  • Zähringia Bernensis 1888-1988
 
 


 
 
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